Kellerfunde und Arbeiterpaläste

News aus dem Programm: Februar 2020

Tillmann Franzen, tillmannfranzen.com © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
UNESCO-Welterbe Fagus-Werk (1911), Architekt: Walter Gropius

Programm 1

Als 1930 die Bauhaus-Künstler Alfred Ehrhardt und Fritz Schleifer an die Landeskunstschule in Hamburg berufen wurden, sollten sie ihre Erfahrung mit den Student*innen der neu errichteten Vorklassen teilen. Drei Jahre später waren die Nationalsozialisten an der Macht und Ehrhardt und Schleifer wurden im April 1933 entlassen. Arbeiten, die bis dahin in den Vorkursen entstanden waren, landeten als „Zeugnisse des Verfalls“ in der Berliner Reichskammer der bildenden Künste. Alfred Ehrhardt und Fritz Schleifer hatten jedoch jeweils eine Mappe mit Schülerarbeiten vor der Vernichtung gerettet. Schleifer bewahrte sie in seinem Keller vor der Zerstörung und Konfiszierung durch die Nationalsozialisten. Lange galten sie als verschollen. 2018 wurden sie im Rahmen der Forschung zum Bauhausjubiläum wiederentdeckt. Noch bis zum 23. Februar sind sie in der Jesteburger Kunststätte Bossard im Rahmen der Ausstellung „Bauhauslehre in Hamburg“ zu sehen.

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Hamburgisches Architekturarchiv © Jan Schleifer
Arbeit eines Schülers von Fritz Schleifer: Arbeit mit dem Spritzsieb - ohne Titel

Programm 3

Die unternehmerische Innovationskraft von Zeiss und Schott katapultierte um 1900 herum die Stadt Jena in die Moderne. Vor allem Schott kombinierte kunstvoll die Produktion von Glas mit zeitgemäßem Design. Durch Beleuchtungskörper und gläserne Lampenschirme fand Schott einen neuen Anwendungsbereich für das hitzebeständige Jenaer Glas. Auch Zeiss produzierte Leuchten. Das Stadtmuseum Jena richtet noch bis zum 29. März mit der Ausstellung „Leuchten der Moderne“ einen Spot auf die Produkte beider Firmen.

Zur Ausstellung
Stadtmuseum Jena
Ausstellungsplakat „Leuchten der Moderne“

Programm 2

Noch bis zum 27. März haben Sie im Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar die Gelegenheit, sich in „original-zeitgenössische Dokumente des Weimarer Bauhauses unter Berücksichtigung der archivischen Überlieferung behördlicher Aktenbestände“ zu vertiefen. Im Archiv wird die umfassendste schriftliche Quellenüberlieferung für die Gesamtgeschichte des Weimarer Bauhauses von 1919 bis 1926 gelagert. Ein wertvoller Bestand, der vor allem Kunsthistoriker*innen und Historiker*innen interessieren dürfte.

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Staatsarchiv Thüringen
Ausstellungsplakat „Das Staatliche Bauhaus Weimar in den Akten“

Programm 4

„Man kann sich heute wohl kaum mehr vorstellen, welches Befremden meine Glasfassade für das Hauptgebäude der Fagus auslöste und welche Überredungskünste der Baupolizei gegenüber notwendig waren, diese ‚gewagte‘ Konstruktion durchzusetzen.“ Als sich Walter Gropius im Alter von 78 Jahren an seinen ersten Auftrag erinnerte, war „sein“ Fagus-Werk im niedersächsischen Alfeld schon 50 Jahre alt. Mit diesem Gebäude hatte er den Grundstein für die Architektur-Moderne gelegt. Inzwischen zählt der Bau, in dem immer noch aktiv produziert wird, zum UNESCO-Welterbe. Die Ausstellung „Der Arbeit Paläste bauen“ ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen des Werks und verbindet den ersten Industriebau von Gropius mit seinem letzten, dem Glaswerk in Amberg. Zu sehen ist das architektonische Doppelpack noch bis zum 26. April.

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Fagus-Galerie
Ausstellungsplakat „Der Arbeit Paläste bauen“

    [TF 2020]

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